26.Mai 2014
“In Schwalingen gehört auch das Plaggen zur Jagd.”
Was macht der Jäger im Mai ? Nun, er wird wohl auf Bockjagd sein. Oder aber den
Wildschweinen nachstellen, bei denen es sich herumgesprochen hat, dass die Landwirte wieder
reichlich Kartoffeln und Mais in die Erde gebracht haben. Und in diesem Fall bedeutet die Jagd
nicht nur reine Freude, sondern auch viel Mühe und Arbeit.
Denn wenn ein Jäger ein Jagdrevier pachtet, dann übernimmt er auch die Pflicht, durch seine
Bejagung dafür zu sorgen, dass das Wild möglichst keinen Schaden anrichtet - im Wald, in den
Wiesen und vor allem nicht an der Saat und an den Früchten auf den Äckern.
Das kann schnell teuer werden.
Tritt trotzdem ein Wildschaden ein, so ist der Jagdpächter in der Regel verpflichtet, dem
Geschädigten den Schaden zu ersetzen. Das kann sehr schnell sehr teuer für den Jagdpächter
werden, wenn sich z.B. eine Rotte Wildschweine ungestört über einen Kartoffelacker hermacht
oder, wie in diesen Tagen im Gemeinschaftlichen Jagdbezirk der Schwalinger
Jagdgenossenschaft geschehen, mit ihrem kräftigen Rüssel eine Wiese auf der Suche nach
schmackhaftem Bodengetier “umpflügt”.
Ist der Schaden, den das Wild angerichtet hat, in geeigneter Weise zu beheben, so steht das
dem Jagdpächter natürlich frei - statt finanziellen Ersatz zu leisten. Zwischen den Schwalinger
Jagdpächtern und Landwirten besteht seit vielen Jahren in Sachen Wildschadenersatz in diesem
Sinne ein gutes Einvernehmen.
Plaggen gehört zur Jagd.
Und so fanden sich die Schwalinger Jäger auf der kleinen Wiese im Schwalinger “Glumm”
ein, die in der Nacht zuvor einmal mehr von Wildschweinen heimgesucht worden war. Der
Schwalinger Jäger Wilhelm Witte hatte den Schaden bei seiner allmorgentlichen Kontrollfahrt
durch das Revier entdeckt und Jagdleiter Manfred Lünzmann lud daraufhin die Jäger der
Schwalinger Pächtergemeinschaft zum “Plaggen” ein.
Mit Forken “bewaffnet” bringen die Jäger die aufgewühlten Grassoden auf den Schadstellen
wieder in die Grasnabe ein und treten sie fest - eine Arbeit, die sich eigentlich so gern niemand
freiwillig aussucht. Aber “Das Plaggen gehört hier bei uns nun mal zur Jagd, immer schon”, stellt
Wilhelm Witte wie selbst-verständlich fest. Ihm ist klar, dass die ganze mühsame Handarbeit auf
den vielen hundert Quadrat-metern der Wiese schon morgen wieder ruiniert sein kann - beim
nächsten Besuch der Wildschweine.
Jagdliche Herausforderung.
Irgendwie ist es daher auch Ansporn für die Jäger, das mühsame Plaggen: Immer wieder
kommen die Wildschweine hier auf die Wiese und durchwühlen die Grasnabe. Für Manfred
Lünzmann ist das eine jagdliche Herausforderung: Er sitzt
hier in dem schwierigen Gelände regelmäßig auf die
Wildschweine an und kennt “jeden Grashalm”. Aber die
Jagd geht eben nicht nach Plan, schon gar nicht auf die
schlauen Wildschweine. “Da braucht es Einfallreichtum
und vor allem Geduld”, verrät er. Ein Wildschwein hat er
hier bereits erlegt, aber das ist schon eine Weile her ...
Statt Gewehr eine Mistforke.
Das Plaggen ist für Wiebke Brockmann aus Vahlzen eine neue Erfahrung als Jägerin. Vor
Kurzem hat sie die Jagdprüfung abgelegt, ihren Jagdschein gemacht und ist nun “Jungjägerin”.
Seit Anfang Mai 2014 hat sie als Jagdgast die Erlaubnis zur Jagdausübung im Schwalinger
Gemeinschaftlichen Jagdbezirk und wird nun von den
Schwalinger Jägern in die Besonderheiten des Reviers und die
hiesigen jagdlichen Gepflogenheiten eingeführt.
So kommt es, dass Wiebke Brockmann statt Fernglas und
Gewehr eine Mistforke in den Händen hält und dabei hilft, die
Spuren zu beseitigen, die die Wildschweinrüssel in der Wiese
hinterlassen haben. Es überrascht nicht: Sie nimmt es
unerschrocken und mit Humor - sie stammt aus einer
Landwirt-Familie und auch ihr Vater ist Jäger. Da könnte schon eher ihr Beruf überraschen:
Wiebke Brockmann ist nämlich selbstständige Hebamme und dazu auch in einem großen
Krankhaus angestellt.
Das ganze Kennen und Können.
Nach getaner Arbeit ist noch Zeit, sich über die letzten Beobach-tungen im Revier
auszutauschen. Kein Zweifel, die Wildschweine sind hier, Einzelgänger und auch eine starke
Rotte wurden gefährtet und beobachtet. “Ich will heute Abend nochmal los”, sagt Wilhelm Witte,
Jäger in Schwalingen seit bald 50 Jahren, “in der Dämmerung, vielleicht, ...”
Eine spannende Jagd mit besonderem Reiz, die Jagd auf Schwarzwild, sie fordert das ganze
Kennen und Können der Jäger ...
(siehe auch hier... mehr... )
Nachrichten aus dem
Schwalinger Revier.
©
Fotos: HDMueller, Schwalingen