03.Juni 2013 Kitzrettung - Kann ik di helpen? Jürgen Schachtschneider hat sich schon immer aus Überzeugung bemüht, beim Mähen seiner Wiesen die Kitze möglichst vor Schaden zu bewahren. Dafür nimmt er gern auch etwas Mühe und Zeitverlust in Kauf. "Lieber das, als dann das Elend anzusehen…" ist seine Erkenntnis aus vielen Jahren als Landwirt und Rinderzüchter. Und Vorsitzender der Schwalinger Jagdgenossenschaft ist er auch. Am Sonntag ist seine große Wiese "Auf der Röpshöhe" dran, gemäht zu werden. Natürlich beteiligt sich Jürgen Schachtschneider an der Aktion "Gegen den Mähtod in der Wiese" und hat die Schwalinger Jäger über den Mähtermin benachrichtigt. Bereits am Samstag hatte er die Wiese außen herum vorsichtig angemäht, um schon abschreckende Unruhe für das Rehwild schaffen. Nachmittags stellten die Schwalinger Jäger dann die "Flatterfahnen" in der Wiese auf. Eigentlich sollte das für die Ricken Warnung genug sein, ihre Kitze aus der Wiese in andere Deckung zu führen. Dann ist es dann soweit. Herrlicher Sonnenschein, endlich. Die "Flatterfahnen" hat der Schwalinger Jäger Manfred Lünzmann schon morgens von der Wiese eingesammelt, "damit Jürgen nicht andauernd vom Trecker runter muss!" Dann heult das Mähwerk auf und bald liegt das erste Gras im Schwad. Da springt doch plötzlich ein Kitz vor dem Trecker aus dem Gras und flüchtet, statt zum schützenden Dickicht am Rand der Wiese, immer weiter hinein in die Wiese und das hohe Gras. "Das ist ja eine schöne Geschichte", denkt Jürgen Schachtschneider so bei sich. Der Trecker steht, Jürgen Schachtschneider sieht dem flüchtenden Kitz hinterher und merkt sich, wo es sich tief ins Gras drückt. Dann stellt er den Motor ab und klettert aus der Kabine hinunter auf die Wiese. Als er an der Stelle ankommt, wo das Kitz eigentlich liegen müsste, ist nichts, gar nichts zu sehen, nur wogendes Gras. Jürgen Schachtschneider sieht sich um, nichts ... Dann beschließt er, die Wiese abzugehen, Streifen für Streifen. Einfach weitermähen mag er nun nicht mehr. Da hält am Weg ein schwerer Geländewagen. "Kann ik di helpen?" fragt der Schwalinger Jäger Alfred Maisel. Jürgen Schachtschneider erzählt seine Geschichte. Nach einigem Beratschlagen geht Alfred Maisel zurück zum Auto und fährt ins Dorf. Er will mit einem Jagdhund zurückkommen, um die Wiese absuchen zu lassen. Jürgen Schachtschneider geht weiter seine Wiese ab, Streifen für Streifen. Kaum ist der Geländewagen von Alfred Maisel Richtung Dorf verschwunden, hält ein anderes Auto an der Wiese. "Kann ik di helpen" fragt der Schwalinger Hans-Dieter Mueller, der mit seinem Fotoapparat unterwegs ist. Jürgen Schachtschneider erzählt seine Geschichte. Nun sind es zwei, die die Wiese abgehen, Streifen für Streifen. Und noch ein Auto hält. "Kann ik di helpen" fragt der Schwalinger Bernd Schröder, der gerade seine Fische in den nahen Fischteichen an der "Bornwiese" gefüttert hat. Jürgen Schachtschneider erzählt seine Geschichte. Nun sind es drei, die die Wiese abgehen, Streifen für Streifen. Man erzählt und überlegt beim gemeinsamen Waten durch das hohe Gras, wo wohl das Kitz stecken mag. Es ist ja schon groß genug, um zu flüchten, also kann es auch schon weiter geflüchtet sein… während man angestrengt ins Gras sieht, vielleicht im Rücken vorbeigekrochen und dann weg ? Groß genug war es wohl dafür. Streifen für Streifen, so vergeht die Zeit. Dann ist man durch. Kein Kitz, nichts. Erleichterung ? Die Unsicherheit bleibt, die kann man nicht wegreden. Ein paar Minuten blickt Jürgen Schachtschneider noch nachdenklich und suchend über die weite Grasfläche. "Ik dank ok för't helpen" verabschiedet er sich dann und klettert wieder hinauf in die Treckerkabine. Das Mähwerk heult auf und der Trecker setzt sich in Bewegung, irgendwie verhaltener als sonst. Durch die Scheiben sieht man Jürgen Schachtschneider da oben. Er blickt aufmerksam in das hohe Gras vor dem Mähwerk hinunter … Dann ist die Wiese gemäht, das Gras liegt Schwad an Schwad und duftet. Alles ist gutgegangen. Nachtrag 6.Juni 2013: Leider ist das Kitz doch nicht davon gekommen. Beim Wenden des gemähten Grases wurde es unter einem Schwad gefunden ...
Schwalingen, "Auf der Röpshöhe", Flatterfahnen für die Kitzrettung. Jürgen Schachtschneider sucht seine Wiese nach dem Kitz ab. Jürgen Schachtschneider nach der vergeblichen Suche nach dem Kitz - es hatte sich wohl schon davon gemacht.
Nachrichten aus dem Schwalinger Revier.
© Fotos: HDMueller, Schwalingen