Im Schwalinger
Revier.
Spätestens seit der berühmte deutsche Reiseschriftsteller Karl May von ihm berichtete,
wissen wir Bescheid, über den Waschbären nähmlich. Und auch darüber, dass sein
höchstes Erdenglück darin bestehen soll, auf dem Kopf eines verwegenen Trappers in der
nordamerikanischen Prärie als Mütze zu enden.
Vielleicht haben sogar einige der vielen Schwalinger Auswanderer, die in der zweiten
Hälfte des 19.Jahrhunderts in der Prärie siedelten (Nebraska, Iowa), sich mit einer
Waschbärmütze im Winter vor der grimmigen Kälte dort geschützt. Aber hier in
Deutschland ist der Waschbär nicht heimisch, also diese Kopfbedeckung auch nicht üblich.
Das könnte sich vielleicht bald ändern, denn erstens: wer weiss, was uns der Klimawandel
bringt und zweitens: der Waschbär breitet sich offensichtlich in Deutschland kräftig aus, besonders in
Niedersachsen, also hier. Und das kommt nicht einfach so:
Am 12.April 1934 werden von dem Forstmeister Freiherr Sittich von Berlepsch zwei Waschbärpaare am
hessischen Edersee ausgesetzt - auf Wunsch des Geflügelzüchters Rolf Haak, dem die Waschbären gehören.
Seine Begründung: Er wolle die heimische Fauna bereichern (er hat zwar zu diesem Zeitpunkt gar keine
Genehmigung des Preußischen Landesjagdamtes dafür - das ist aber schon wenige Tage später ‚repariert'). So
entstand das erste Verbreitungsgebiet des Waschbären in Deutschland. Ein zweites Verbreitungsgebiet ergab sich
in Brandenburg nach einem Bombentreffer 1945 auf ein Waschbärgehege in Wolfshagen bei Strausberg. Etwa
zwei Dutzend Waschbären wurden dadurch ‘befreit’.
Die hohe Anpassungsfähigkeit des Waschbären ist wohl ausschlaggebend für seine einsetzende Verbreitung in
den 1940er und 1950er Jahren. 1956 wurde der Bestand in ganz Deutschland auf 285 Tiere geschätzt. 1970 sollen
es schon etwa 20.000 Tiere sein und 2005 dann eine sechsstellige Zahl Waschbären.
Seit 1970 dürfen die Waschbären, außer im April und Mai, ganzjährig bejagd werden, Jungwaschbären sogar alle
12 Monate des Jahres. Seitdem wird er auch in den Berichten der Jäger zu den jährlichen Jagd-strecken
aufgeführt: Deutschlandweit 1968: 3528 Waschbären, 2002/2003: über 16.000 Waschbären, Jagdjahr
2010/2011: 67.700 Tiere.
Die Jagdstrecke 2010/11 in Niedersachsen zeigt gesamt 6409 Waschbären (ein Plus von 46% gegenüber dem
Vorjahr - soviel, wie bei keiner anderen Tierart), davon im Landkreis Soltau-Fallingbostel 23 Tiere, im Gebiet des
Hegeringes Neuenkirchen 11 Waschbären. In den Jagdrevieren von Schwalingen wurde im Jagdjahr 2010/2011
kein Waschbär erlegt.
Was sagt die Landesjägerschaft in Niedersachsen zu dem ansteigenden Vorkommen des Waschbären ?
"Um auch in Zukunft ein ökologisches Gleichgewicht zu sichern, ist es dringend erforderlich, die
Waschbären in Niedersachsen nachhaltig und waidgerecht zu bejagen und jegliche Maßnahmen, die
zum weiteren Anstieg führen könnten, zu verhindern," kann man da erfahren.
"Nun ist der Waschbär auch in Schwalingen angekommen", freut sich der Schwalinger Jäger Manfred Lünzmann
Anfang Juni 2012. Jägerlatein ? Nein, er hat im Schwalinger Revier wirklich einen Waschbären eingefangen, mit
seiner Wildbeoachtungskamera. "Wohl einer der ersten hier", sagt Manfred Lünzmann.
Also sollte man außer seiner Eignung als Kopfbedeckung schon etwas mehr über den Waschbären wissen, falls
man ihn nachts einmal antreffen sollte. Denn der Waschbär ist nachtaktiv. Den Tag verschläft er in einem
Versteck, das er häufig wechselt, gerne in Baumhöhlen. Er ist der einzige bei uns vorkommende Vertreter der
Kleinbären (etwa ½ Meter lang, mit dem buschigen Schwanz etwa 75 cm, Schulterhöhe um 30cm, um 10kg
schwer). Sein auffälligstes Merkmal ist die schwarz gefärbte ‚Gesichtsmaske', die sich von dem umgebenden
weißen Fell deutlich absetzt.
Waschbären sind typische Allesfresser, aber eher Sammler als Jäger. Etwa die Hälfte ihrer Nahrung besteht aus
pflanzlicher Kost, Früchte (gerne Kirschen…), Obst, Eicheln, Bucheckern, Nüsse und … Mais ! Die andere Hälfte
decken sie z.B. mit Mäusen, Vogeleiern, Fröschen, Fischen, aber auch Insekten und Würmer. Das
Waschbärweibchen setzt im Frühling im Durchschnitt 3 Junge. Ihre Lebenserwartung ist nicht hoch, nur 2 bis 3
Jahre.
Für die Waschbären ist der wichtigste Sinn der Tastsinn ! Ihre Krallen an den handähnlichen Pfoten sind mit
einer Art ‚Sensor' ausgestattet, durch ihn können sie Gegenstände schon vor dem Anfassen erkennen. Sie haben
eine ausgeprägte Merkfähigkeit, lernen schnell und sind erfindungsreich, um an Nahrung zu kommen -
besonders in bewohnten Gegenden.
" Wenn es also demnächst in der Nacht auf dem Hof klappert, könnte es ein Waschbär sein, der sich am
Mülleimer zu schaffen macht", gibt Manfred Lünzmann als Hinweis mit, " aber sonst sind die kleinen Kerle
harmlos! "
Im laufenden Jagdjahr 2012/2013 ist im Schwalinger Revier noch kein Waschbär erlegt worden -
na ja, die Pudelmütze hat ja bisher auch gereicht.
Waschbären in Schwalingen -
ansonsten harmlos.