Aktion gegen
Wildunfälle.
26.Mai 2012
Nicht mit dem Gewehr, sondern mit dem Akku-Schrauber
“bewaffnet” treffen sich die Schwalinger Jäger bei strahlendem
Sonnenschein am westlichen Ortseingangsstein des Dorfes. Man ist zu
einer besonderen Aktion verabredet: An den Straßen-Leitpfosten
entlang der Kreisstraße 21 sollen zwischen Ortseingang und
Gemarkungsgrenze auf etwa 300 Meter Strecke blaue
Halbkreisreflektoren angebracht werden - die neue und
vielversprechende Maßnahme zur Vorbeugung von Wildunfällen, zum
Schutz des Wildes und der Verkehrsteilnehmer.
Die Reflektoren strahlen im Scheinwerferlicht herannahender
Fahrzeuge blaue Lichtblitze ab. Fachlich fundierte Erkenntnisse haben
nämlich ergeben, dass die Farbe Blau für Wildtiere irritieren ist, weil
sie in der Natur kaum vorkommt. Sie empfinden die blauen Lichtblitze
als “fremd” und damit warnend. Dadurch werden sie aufmerksamer
und überqueren die Straße meist erst dann, wenn die ungewohnten
blauen Blitze nicht mehr zu sehen sind - und dann ist das Fahrzeuge
bereits an der Gefahrenstelle vorüber.
In den wissenschaftliche Untersuchungen an Wild ist auch erkannt
worden, dass Rehe, die häufigsten Opfer von Wildunfällen, tatsächlich
nur grüne und blaue Farbtöne sehen - Rot und Orange nehmen sie nur
als grüne Farbabstufungen wahr. Die bisher eingesetzten orangenen
Reflektoren sind daher wohl nur bedingt wirksam, sie bekommen blau
reflektierende Überkleber.
Die Jägerschaft im Heidekreis ist aufgrund guter Erfahrungen sehr
zuversichtlich, mit der Installation der blauen Reflektoren, die Zahl der
Wildunfälle weiter senken zu können und stellt den Pächtern und
Eignern der Jagdreviere im Landkreis die Reflektoren und Überkleber
zur Verfügung. Sie werden aus Mitteln der Jagdsteuer bezahlt, die vom
Landkreis der Kreisjägerschaft zur Verfügung gestellt sind. Die
Montage der Reflektoren ist allerdings Eigenleistung der Jäger vorort.
Im vergangenen Jahr wurden im Heidekreis bereits über 100
Kilometer Straßenstrecke mit den blauen Reflektoren ausgerüstet. In
diesem Jahr werden weitere 130 Kilometer dazu kommen. Und die
Schwalinger Zugangsstraßen gehören dazu.
In den vergangenen zwei Jahren passierten immerhin 16
Wildunfälle mit Rehen an den drei großen Zugangsstraßen nach
Schwalingen von Tewel, von Delmsen bzw. von Lieste. Die Schwalinger
Jäger haben daher entsprechend intensiv Maßnahmen zur Vermeidung
von Wildunfällen umgesetzt, z.B. wurde der aufwändige Duftzaun
entlang der besonders gefährdeten Strecke Schwalingen-Tewel gesetzt.
Bestimmt ein Grund mit, dass sich die Anzahl der Wildunfälle in
Schwalingen gegenüber den Vorjahren verringert hat, wie Manfred
Lünzmann auf der Mitgliederver-sammlung der Schwalinger
Jagdgenossenschaft im März 2012 in seinem Bericht der Jagdpächter
betonte. Und er kündigte weitere Maßnahmen an ...
Gesagt, getan und so nehmen die Schwalinger Jäger die
Reflektoren und Akkuschrauber in die Hand und machen sich an die
Arbeit. Die Stimung ist gut - man freut sich, hier wirkungsvoll weiteren
Wildunfällen vorbeugen zu können und setzt sich dafür gerne ein.
In gemeinschaftlichem Einsatz ist die Strecke von Schwalingen
Richtung Delmsen bis zur Gemarkungsgrenze bald ausgerüstet. Dann
geht es weiter zur Strecke Schwalingen-Tewel. Hier werden die
bestehenden orangenen Reflektoren an den Leitpfählen mit blau
reflektierenden Folien überklebt. Der hier
vorhanden Duftzaun soll allerdings weiterhin
als ergänzende Maßnahme bestehen bleiben.
Damit ist für diesen Tag das Programm
erfüllt. Aber es gibt noch eine Strecke, die
demnächst ausgerüstet werden soll: Die Kreisstraße 21 zwischen
Schwalingen und Lieste. Hier werden Duftsäulen installiert, um auch
diesen Abschnitt für Wild und Verkehrsteilnehmer etwas sicherer zu
machen. Diese Duftsäulen sind sehr effizient und ihre Wartung ist für
die Jäger weniger arbeitsaufwändig als die Duftzäune.
Eilig fahren Autos dicht an den am Straßenrand arbeitenden
Jägern vorüber , “viel zu schnell hier”, wird da ärgerlich reagiert.
Anlass, an die wohl wichtigste Vorbeugung von Verkehrsunfällen zu
erinnern, die jeder von uns in eigenem Interesse in Erinnerunge
behalten sollte: Die angepasste Geschwindigkeit. Das Tempo ist
entscheidend, ob ein Unfall noch verhindert werden kann - bis 90
Stundenkilometer mag das noch klappen, darüber wohl nicht mehr...
Und wenn wirklich einmal “alles zu spät” ist und der Unfall
passiert, ist es den Jägern besonders wichtig, dass er ihnen so schnell
wie irgend möglich gemeldet wird. Nur so kann dem vielleicht noch
lebenden, verletzten Tier geholfen werden und es muss nicht
elendlich irgendwie verenden. Nur so kann der Kadaver
fachmännisch beseitigt werden und verludert nicht im Gelände. Nur
auf diese Weise ist die ‘Wild-Unfallbescheinigung’ zu erhalten, die die
Versicherung benötigt, um etwaigen Schaden am Fahrzeug zu decken.
Weitere nützliche Informationen sind hier zu finden.
Wie in allen Jagdrevieren gibt es auch in Schwalingen von den
Jägern benannte Personen, die Meldungen zu Wildunfällen entgegen
nehmen und das weitere veranlassen:
Dirk Schröder, Schwalingen No.54 Tel. 05195 2757 oder
Manfred Lünzmann, Schwalingen 34, Tel. 05195 972722
Gut, wenn man weiss, an wen man sich im Notfall wenden kann -
man sollte also diese Kontaktdaten unterwegs dabei haben. Damit sie
aber möglichst nicht benutzt werden müssen, dafür setzen sich die
Schwalinger Jäger mit ihren Aktionen zur Vorbeugung von
Wildunfällen ein.
Und dann legen die Schwalinger Jäger die Akku-Schrauber weg
und nehmen das Fernglas zur Hand - es zeigen sich wieder die
Schwarzkittel im Revier, da muss man schnell sein. In diesem Jahr
scheinen die Wildschweine sich in Schwalingen wieder besonders
wohl zu fühlen...
Auch in Schwalingen
schützen nun blaue Lichtblitze
das Wild und die Verkehrsteilnehmer.