Wer am 30.Juni 2012 das Glück hatte, in der Schwalinger Gemarkung unterwegs zu sein, dem ist bestimmt ‘das Herz aufgegangen’. Klare Luft, weiter Blick. Saftige Farben der sprießenden Natur und ein endlos weiter strahlender blauer Himmel mit weißen Schönwetterwolken darin - rundherum. Ein Genuss für die Sinne. Natürlich muss man sich langsam genug durch die Landschaft bewegen, um das zu erleben. Dem eiligen Autofahrer auf der Kreisstraße 21 zwischen Lieste und Schwalingen, der sich auf den nach vorn gerichteten Tunnelblick konzentriert, wird dieser Genuss wohl entgangen sein. Oder doch nicht ? Da bleibt beim Vorbeisausen etwas in den Augenwinkeln hängen, etwas Neues am Straßenrand. Also Fuß vom Gas - gut so ! denn hier sind Wildwechsel - und nachsehen. Schon ist auch der eben noch eilige Autofahrer mitten drin in der wundervollen Landschaft im Sonnenlicht und hat ‘plötzlich’ mehr Zeit, als er vor 1 Minute noch gemeint hatte. Dann ist auch klar, was den Blick eingefangen hatte: Da stehen kleine grüne Säulen im Seitenraum der Straße, fast wie Teelicht-Leuchten im heimischen Garten. Die Schwalinger fangen doch nicht jetzt schon an, für das Kreisschützenfest im Herbst zu schmücken ? Die Nase signalisiert die Antwort zum Zweck dieser Säulen: Sie riechen auffällig, leicht eklig, nach Verwesung: Ah, es geht um Wildvergrämung. Die Säulen sind Bestandteil eines ‘Duftzaunes’, den die Schwalinger Jäger nun als weitere Maßnahme zur Verhütung von Wildunfällen aufgestellt haben. Schon Ende Mai wurden entlang der großen Einfallstraßen nach Schwalingen an den Leitpfosten die Reflektoren montiert, die das Wild durch blaue Lichtblitze warnen sollen. Nun runden Duftzäune das Maßnahmenpaket ab - an diesem Teilstück der Kreisstraße 21 zwischen Lieste und Schwalingen und an einer weiteren, ebenfalls besonders gefährdeten Teilstrecke der K21 zwischen Siek und Schwalingen . ‘Verdampfersäulen’ nennt der Fachmann diese ‘Duftsäulen’. In dem kleinen ‘Verdampferkopf’ befindet sich eine Glasampulle mit dem ‘Duftstoff’, der über einen Docht freigesetzt wird. Durch die Schlitze im ‘Verdampferkopf’ trägt der Wind die Düfte in die Umgegend. Sie warnen das Wild und machen es aufmerksam. Denn der Geruch - Duft hört sich nur freundlicher an - ist jedem Lebewesen, auch uns Menschen, als unangenehm bestens bekannt; er signalisiert: Hier verwest etwas, nicht essen oder anfassen ! Der künstliche Duftstoff ist natürlich Herstellergeheimnis, aber er enthält wohl in Bestandteilen Buttersäure, wie auch die berüchtigten Stinkbomben zu Sylvester. Das Ganze führt den Markennamen ‘POROCOL-System’ und ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Die Schwalinger Jäger haben sich aufgrund der guten Erfahrungen anderer Jäger beim Einsatz dieses Systems in ihren Revieren für dieses Wildvergrämungsmittel entschieden. Sollte es sich auch in Schwalingen bewähren, könnte es ausser an den Straßen zur Vorbeugung von Wildunfällen auch zur Vermeidung von Wildschäden in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Und hier kommen die Kosten ins Spiel. Denn das ‘POROCOL-System’ ist wohl eine bewährte, aber keine billige Lösung. Für einen 500 Meter langen Duftzaun sind etwa 100Euro Materialkosten aufzuwenden. Die Duftstoffampulle soll bis zu einem halben Jahr vorhalten. Für die beiden Duftzaunstrecken in Schwalingen von insgesamt etwa 2000 Meter Länge werden die Materialkosten von der Kreisjägerschaft getragen, die aus Mitteln der Jagdsteuer unterstützt wird. Wie schon das Anbringen der Reflektoren an den Leitpfosten, wird auch das Aufstellen der Duftzäune den örtlichen Jägern nicht vergütet, es wird als freiwillige Leistung erwartet und erbracht. Eine Leistung der Jäger, die Anerkennung der Autofahrer verdient und auch der Versicherungen, denen dadurch Versicherungsleistungen in großem Umfang erspart bleiben - was wieder den Autofahrer zugute kommt, nicht den Jägern. Wie kann die Anerkennung durch die Autofahrer aussehen? Ganz einfach - die Jäger wären sicher schon zufrieden, wenn die Fahrgeschwindigkeit bei jedem Wetter so gewählt würde, dass ein rechtzeitiges Anhalten bei Wildwechsel noch möglich ist - im eigenen Interesse und um Leiden zu vermeiden... und, man kann dann die schöne Landschaft auch beim Autofahren genießen.
Aktion gegen Wildunfälle.
Mit starkem Duft gegen Wildunfälle.
Duftzaun Schwalingen, Duftsäule K21 Duftzaun Schwalingen, Duftsäule K21 Duftzaun Schwalingen, Duftsäule K21